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Pumbaa und die Polen-Popos

[Warschau] Wie sagte Warzenschwein Pumbaa so schön: “Man muss seinen Hintern in die Vergangenheit bringen.” Den Hintern der polnischen Schwulen dagegen werden die Jahre 2005 bis 2007 als besonders harte Stöße in Erinnerung bleiben - die Kaczynski-Ära. Die beiden aggressiv-homophoben, katholisch-nationalistischen Zwillingsbrüder Lech und Jaroslaw Kaczynski - der eine Präsident, der andere Ministerpräsident - zogen im Land die Fäden und hatten Polen in Windeseile in der EU ins Abseits gedrängt, an der Seite der USA in den Irak-Krieg getrieben und im Ausland nur noch Kopfschütteln hervorgerufen.

Zunächst wurde Lech, der ältere Bruder, der 2004 und 2005 bereits als Warschauer Stadtpräsident (Oberbürgermeister) den CSD verboten hatte, im Oktober 2005 ins Amt des Staatspräsidenten gewählt. Im November 2005 bildete Jaroslaw Kaczynskis katholisch-nationalistische Partei “PiS” dann als stärkste Kraft der Parlamentswahlen eine Minderheitsregierung unter Kazimierz Marcinkiewicz, ging im Mai 2006 eine Koalition mit den rechtsextremen Parteien LPR (“Liga polnischer Familien”) und Samoobrona (“Selbstverteidigung”) ein und hievte im Juli 2006 schließlich ihren Parteivorsitzenden Jaroslaw Kaczynski selbst ins Amt des Ministerpräsidenten, auf das er zunächst verzichtet hatte, um die Präsidentschaftswahl seines Bruders nicht zu gefährden.

Seine Regierung forderte das Verbot “homosexueller Propaganda an Schulen”, prüfte ein Verbot der Kinder-Serie “Teletubbies”, weil der lilane Teletubbi mit seiner Handtasche für Homosexualität werbe und bezichtigte die Warschauer “Kampagne gegen Homophobie”, ins Land geschmuggelte deutsche Transsexuelle auf Kindergärten loszulassen. Regierungsmitglieder forderten Berufsverbote für Schwule, bezeichneten eine Aufklärungskampagne für geschützten Geschlechtsverkehr als “Anweisung für schwulen Sex”, wollten Schwule in “Umerziehungslager” stecken und verunglimpften CSD-Teilnehmer als "widerliche Päderasten". Die von Bildungsminister Roman Giertych gegründete "Allpolnische Jugend" wollte zudem Schwule “ins Gas” schicken und lauerte ihnen in Parks und vor Kneipen auf. Im September 2007 bracht die Koalition auseinander.

Seitdem ist Polen wie verwandelt. Bei den vorgezogenen Neuwahlen zogen mit dem erdrutschartigen Erst-Einzug der auch in Homo-Fragen ultraliberalen “Bewegung Palikot” mit zehn Prozent der Stimmen erstmals ein offen Schwuler und eine Transsexuelle ins Parlament ein, erstmals wurde auch ein bereits kurz vor den Wahlen als Nachrücker eingezogener Schwarzer offiziell gewählt. Die LPR und die Samoobrona flogen krachend aus dem Sejm hinaus. 2010 brachte schließlich der “Europride” in Warschau der zuvor stets illegal oder unter Gefahr für Leib und Leben durchgeführten polnischen “Gleichheitsparade” den endgültigen Durchbruch, in allen größeren Städten des Landes bildete sich eine Gay-Szene und es existieren inzwischen über 30 queere Organisationen.

Die neue Regierung unter der “Bürgerplattform” von Ministerpräsident Donald Tusk, der mittlerweile seine zweite Legislaturperiode zusammen mit der “Polnischen Volkspartei” anführt, brachte einen Gesetzentwurf zum Schutz Homosexueller vor Diskriminierung ein, erkannte die EU-Menschenrechtscharta an, die unter anderem Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung verbietet und hat dieser Tage zudem angekündigt, in Polen die Eingetragene Lebenspartnerschaft einzuführen. Polen wäre damit das 23. europäische Land, das gleichgeschlechtliche Verbindungen anerkennt und neben Kroatien, Ungarn, Slowenien und der Tschechei das fünfte in Osteuropa. _Martin Bach