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CSD Cottbus 2012 - Nicht jeder fand es gut!

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"Schaut euch die Kommentare an .. unmöglich ... Liebe "normale" Menschen mit einem Gehirn im Kopf, zeigt Flagge." Patrick Schölzel von Queerlausitz Cottbus ist fassungslos. Das Kommentare bei Facebook oder Portalen, wie bei der Lausitzer Rundschau, nicht immer die breite Masse präsentieren, ist klar. Was jetz aber an Kommentaren über die Berichterstattung zum CSD Cottbus zu lesen ist, scheint jedes Klischee von der vermeintlich homophoben Provinz zu bestätigen. 

"Wir haben mehr Teilnehmer als im Vorjahr. Vor allem, weil junge Männer den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt haben", freute sich noch Christian Müller von der Aidshilfe Lausitz in einem Interview mit der Lausitzer Rundschau. In der Tat konnte in diesem Jahr die kleine CSD-Parade deutlich mehr als 100 Teilnehmende zählen. Zum Mitmachen hatten verschiedene Gruppen aufgerufen. Unter anderem die FDP, die Jusos und die Linken, sowie die Gruppe BTU queer und der Aidshilfe Lausitz e.V. Einer der schönsten Slogans hieß: "Homophobie wegglitzern". Vom Glitzer werden die Aktiven noch eine Menge brauchen.

Erwähnte Foren bieten viel Platz für Homophobiker aller Couleur. Da fragt Schneeleib beispielsweise: "Demonstrieren diese Leute überhaupt? Wo werden denn Schwule diskriminiert? Wen interessiert denn das Unterleibsleben dieser Leute? ....Betrachten sie sich als die eigentlichen und wirklichen Menschen?" Stefan L. hält den Schwulen vor, dass sie es doch eigentlich ganz gut hätten: "Ihr werdet nich strafrechtlich verfolgt, nicht gejagt, nicht vergast und könnt in ruhe leben.... also wozu der ganze scheiß mit dem CSD, akzeptiert doch einfach das ihr überhaupt in ruhe leben dürft, dafür solltet ihr euch glücklich schätzen und es akzeptieren und nicht noch so nen rotz veranstalten um aufmerksamkeit zu bekommen." Und der User Ekelerregend sorgt sich um die Finanzen: "Hauptsache krakelee und Kosten verursachen, hoffentlich findet sich bald mal jemand der denjenigen die Kosten der Polizeieisätze dafüraufbrummt."

Crisi, der sehr gern zur Rainbowparty ins Gladhouse geht, bestätigt denn auch: "was hier in cotte leider noch ziemlich der fall is man hats ja mitbekommen in der strassenbahn oder vor dem glad house ständig als schwuchtel betitelt zu werden" 

Thomas Wegener hält dagegen und meint: "Guter, sachlicher Artikel von Leuten, die nachdenken. Gefolgt von vielen fragwürdigen Kommentaren von Leuten, die das eigene Denken genauso tabuisieren wie das Anderssein ihrer Mitmenschen. Exemplarisch kann man hier erneut studieren, wie bunt und prächtig der Garten der Ressentiments blüht, den die Angehörigen der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft pflegen. Es sind jene ekelerregenden Auswürfe geistigen Kleinmuts und spießbürgerlicher Bockigkeit, die jede(n) Homo die Schamesröte ins Gesicht treiben. Wir schämen uns nicht unseretwegen, keinesfalls! Wir lieben und genießen lustvoll unsere Lebensentwürfe, sind stolz darauf. Wir schämen uns für euch, liebe Heten. Wir schämen uns für eure emotionale, intellektuelle und geistige Zwergenhaftigkeit. PFUI!!!"

Auch Sascha Krämer von Links und Queer in Brandenburg schüttelt den Kopf: "Ich hoffe nur dass junge Lesben und Schwule, sich von solchen schwachsinnigen Kommentaren nicht abhalten lassen, ihren Weg zu gehen und ein fröhliches Coming out zu haben."

Ein Rezept gegen Homophobie hat André N., der mit seinem Partner und seinem Kind in Cottbus lebt, entdeckt: "Wir Homosexuelle sollten uns nicht nur in der Opferrolle sehen. Mehr Selbstbewusstsein steht uns besser zu Gesicht". Beste Erfahrungen hat er so deshalb mit den Ämtern der Stadt Cottbus gemacht. Besonders mit dem Jugendamt, als um die Adoption des gemeinsamen Kindes ging. Anlässlich der Regenbogenflaggenhissung am Cottbusser Rathaus meint Beigeordnete Marietta Tzschoppe (SPD): "Alle Bürger sollen sagen können, es lebt sich gut in Cottbus". 

Ob es sich nun in Cottbus als Lesbe oder Schwuler gut leben lässt, da sind sich alle Beteiligten nicht so  sicher. Deshalb war wohl das diesjährige Motto: "Cottbus, wie bist du wirklich?" ziemlich gut gewählt.


Autor: Adolar gayBrandenburg
Foto: Queertastic
Grafik: Queer Factory