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Toleranz- oder Schmähgesang?

Am 28. September, also diesen Freitag, ist es wieder soweit: der mittlerweile achte „Bundesvision Song Contest“ steht vor der Tür. Zum dritten Mal in Berlin ausgetragen treten wie in jedem Jahr 16 deutsche Bands oder Einzelkünstler an. Für jedes Bundesland jeweils ein Musikbeitrag. Der 2005 als Konkurrenz zum internationalen „Eurovision Song Contest“ von TV-Entertainer Stefan Raab auf dem Sender „Pro Sieben“ ins Leben gerufene

Wettbewerb soll die deutschsprachige Musik fördern, weshalb auch eine der Teilnahmebedingungen lautet, dass mindestens 50 Prozent des Song-Textes in der deutschen Sprache vorgetragen werden muss. Kontroversen gibt es nun aber um den saarländischen Beitrag, der von der baden-württembergischen Band „Die Orsons feat. Cro“ vorgetragen werden soll. Deren Titel „Horst & Monika“ thematisiert die chirurgische Geschlechtsangleichung des ehemaligen NPD-Mitglieds Horst Strub, der sich nun als Monika bei der Linkspartei in Baden-Württemberg engagiert. Das am 6. September veröffentlichte Lied steht derzeit auf Platz 85 der deutschen Charts und sei von der Band eigentlich als Toleranz-Hymne gedacht gewesen, wie deren Mitglieder in Interviews erklärten. Dennoch erstattete die Transgender-Organisation „Aktion Transsexualität und Menschenrecht“ (ATME) nun Strafanzeige gegen die Hip-Hip-Gruppe, da der Beitrag ihrer Meinung nach Transsexuelle herabwürdige, indem er den langen und hürdenreichen Leidensweg bis zur Operation als pure Spaß-Entscheidung darstelle. Die ungefragt dargestellte Politikerin Monika Strub selbst wiederum erklärte nun, dass Transsexuelle keine „penisamputierten Männer“ seien. Und auch die Behauptung, sie sei früher ein „aktenkundiger Schläger“ gewesen, entspreche nicht der Wahrheit. [Martin Bach]