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Hakenkreuz für Positive

Beschmiertes Plakat der BzGA(gayBrandenburg-Aktuell) Sascha Krämer traute seinen Augen nicht. Auf dem Weg zu einem seiner vielen Termine, entdeckte er gestern auf einer Litfassäule ein Hakenkreuz. Die Werbetafel steht ausgerechnet am Potsdamer Busbahnhof Bassinplatz, einem äußerst belebten Ort, da hier viele Touristen ankommen und abfahren. Opfer der Schmiererei ist die Kampagne der BzGA anlässlich des Welt-Aids-Tages. Diese wirbt mit Kampagnenmodellen für mehr Akzeptanz von HIV-Positiven. Insbesondere das Thema HIV am Arbeitsplatz steht in diesem Jahr im Vordergrund. Durch die gute Behandelbarkeit der Infektion ist heute die Ausübung einer Arbeit für HIV-Positive praktisch uneingeschränkt möglich. Trotzdem erleben viele HIV-positive Menschen Diskriminierungen und Mobbing im Kollegenkreis. Wohl deshalb trauen sich viele Betroffene nicht, sich als positiv zu outen. Davon weiß Carsten Bock, HIV-Berater der Vereine Katte und Aids-Hilfe Potsdam zu berichten. Wir betreuen alleine bei Katte etwa 50 HIV-Positive. "De facto niemand unserer Klienten sagt es den Kollegen und Kolleginnen. Lediglich im hauseigenen Projekt Queer Factory ist das garantiert kein Problem."

Auch das Präventionsprojekt des Vereins Positiv Wohnen musste sich einige Beschimpfungen anhören. Der Verein organisiert zusammen mit brandenburgischen Gesundheitsämtern und Schulen Jugendfilmtage, bei denen das Thema HIV/Aids und sexuelle Vielfalt thematisiert werden. "Den Scheiß können sie auch sein lassen. Wir haben schon genug Unterrichtsausfall. Dann schleppen sie die Schüler auch noch zu so was!" ist einer der Sätze, die sich die Engagierten von einer Lehrerin anhören mussten. Eine am Thema interessierte Lehrerin berichtete wiederum, dass sie für HIV/Aids und sexuell übertragbare Krankheiten lediglich 45 Minuten Zeit hätte. Viel zu wenig, denn gerade Jugendliche interessierten sich ja für das Thema brennend.

Auch in der Initiative Brandenburg gemeinsam gegen Aids ist Aufklärung an Schulen ein Dauerbrenner. Allerdings ist bei den dreimal im Jahr stattfindenden Gremiumssitzungen der Gemeinschaftsinitiative noch nie ein Zuständiger des Bildungsministeriums gesichtet worden, das verrät Jirka Witschak, Sprecher der AG 4 (Männer, die Sex mit Männern haben). Das ist aber dringend notwendig. Wir werden von Schülern und Schülerinnen sehr oft an unseren Informationsständen angesprochen. Da wird uns berichtet, dass es Lehrer gibt, die im Unterricht tatsächlich behaupten: "Aids haben nur Schwule. Deshalb müsse man das im Unterricht nicht behandeln!" Das für HIV/Aids zuständige Gesundheitsministerium hat nun versprochen, noch einmal Kontakt zum Bildungsministerium aufzunehmen, um Bewegung in die Angelegenheit zu bekommen.

"Es kann nicht darum gehen, ob es ein Dummer - Jungen - Streich sei, dass ein Kampagnen-Plakat mit HIV-Positiven mit einem Hakenkreuz beschmiert wird", meint Sascha Krämer. "Die Schmiererei ist eine menschenverachtende Stigmatisierung. Das können wir in keinem Fall zulassen." Krämer hat nun Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Die Polizei war sehr schnell vor Ort und hat das Hakenkreuz auch sofort entfernt.

saschakraemerSascha Krämer stellte Strafanzeige gegen unbekannt


Autor: Linius
Foto: gayBrandenburg

 Sascha Krämer ist Kreisvorsitzender der Linke in Potsdam und redaktionell verantwortlich für die Facebookseite: Links und queer in Brandenburg