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Richtig gut drauf?

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Marci (19) aus einem kleinen Ort bei Brandenburg
Marci ist 19 Jahre alt und lebt in einem kleinen Ort in Brandenburg.
In meiner Kindheit ist viel passiert.

Ich bin ein richtiger Nachzügler gewesen: Meine beiden Schwestern und mein Bruder sind einige Jahre älter als ich. Ich war elf, als wir von Potsdam in die Nähe von Brandenburg an der Havel gezogen sind. In dem Dorf, in dem wir dann wohnten, hatte ich zum ersten Mal Schwierigkeiten, mich zu integrieren. Ich habe angefangen, mich zu ritzen und später auch mit dem Rauchen angefangen. Irgendwie wusste ich da auch schon, dass ich schwul bin.

Richtig schlimm wurde es, als ich zum ersten Mal verliebt war. In einen Klassenkameraden, der aber nicht so empfand. An einem Tag waren wir die besten Freunde – am nächsten hat er alle gegen mich aufgehetzt. Als wir dann mal alle beim Zelten waren, haben wir uns ein bisschen befummelt. Danach hat es die ganze Schule erfahren und er hat sich von mir abgewendet – und dann wollten auch alle anderen nichts mehr von mir wissen.

Ich wollte mich deswegen umbringen. Schließlich bin ich in ein Heim nach Oschersleben gekommen, wo ich zum ersten Mal mit Drogen in Berührung kam. Ich habe gekifft und Ecstasy genommen – und flog schließlich aus dem Heim. Danach kam ich zurück nach Potsdam. Über den Vater eines Freundes konnte ich auf ein privates Gymnasium. Aber auch dort gab es Drogen. Vielleicht wegen des Leistungsdrucks oder so. Also, auch da bin ich geflogen. Aber dann habe ich hier meinen heutigen Job angenommen. Das war ein großes Glück für mich.
Ich habe mich ausgetobt

Die Sexualität habe ich sehr früh entdeckt. Es gab damals noch einen schwulen Chat bei AOL und darüber habe ich einen Typen kennengelernt. Der war 35 oder so und ich habe mich mit dem in einem LKW auf einem Rasthof getroffen. Klingt total bescheuert, war aber so. Als es dann zur Sache ging, hatte ich wirklich Angst davor, nein zu sagen. Das war der Auftakt: Seit diesem Erlebnis habe ich mich sexuell wirklich ausgetobt.

Mit 15 Jahren hatte ich dann hier in der Brandenburger Szene schon meinen Ruf weg. Wenn ich heute in einen Laden gehe, in dem man mich kennt, dann richten sich erst einmal alle Blicke auf mich. Viele dort reden auch schlecht über mich. Tja, ich bin eben gern die Rampensau.

Ich habe wirklich mit vielen Typen was gehabt – und dadurch habe ich viele Bekanntschaften und Freundschaften. Viele davon sind wieder kaputt gegangen. Aber ich habe immer noch gute Freunde, mit denen ich Party mache. Mittlerweile habe ich aber auch Freunde außerhalb der Szene – und das ist mir sehr wichtig.
Quelle: www.iwwit.de